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So baust du in vier schritten eine resilientere prüfungsroutine auf — konkret für studenten mit adhs

So baust du in vier schritten eine resilientere prüfungsroutine auf — konkret für studenten mit adhs

Prüfungen können für Studierende mit ADHS besonders belastend sein: Ablenkung, Aufschieberitis, Überforderung und das Gefühl, nie genau dort zu sein, wo man sein sollte. Ich habe in den letzten Jahren viele Lernroutinen ausprobiert — als Lehrender, Mentor und als jemand, der eng mit Lernenden arbeitet. Aus diesen Erfahrungen heraus habe ich eine einfache, aber robuste Struktur in vier Schritten entwickelt, die dir hilft, eine resilientere Prüfungsroutine aufzubauen. Resilient heißt hier: stabil genug, um Rückschläge auszuhalten, flexibel genug, um sich an veränderte Bedingungen anzupassen.

Warum eine Routine und kein starres System?

Bevor ich in die Schritte einsteige: Routinen geben Orientierung. Für Menschen mit ADHS ist Struktur nicht das Gegenteil von Kreativität — sie ist das Gerüst, das Energie freisetzt. Eine gute Routine reduziert Entscheidungsmüdigkeit, schafft Vorhersehbarkeit und macht kleine, wiederholbare Erfolge möglich. Wichtig ist: Die Routine soll dir dienen, nicht dich kontrollieren. Wenn ein Tag nicht nach Plan läuft, ist das kein Versagen, sondern ein Signal, die Routine anzupassen.

Schritt 1 — Baue eine ankernde Morgen- und Lernstart-Routine

Der Start in den Tag und der Start jeder Lerneinheit sind entscheidend. Ich habe gelernt, dass Rituale die Übergänge markieren: Vom Nicht-Lernen zum Lernen. Diese Rituale helfen deinem Gehirn, zwischen Zuständen zu wechseln.

  • Feste Aufstehzeit + Licht: Versuche, möglichst zur gleichen Zeit aufzustehen. Natürlich gibt es Uni-Termine und Nachtschichten — aber ein stabiler Kern hilft.
  • Kurzritual (2–5 Minuten): Atemübung oder 1–2 einfache Dehnungen, Glas Wasser trinken, kurz Tagesziele laut aussprechen. Diese Mini-Rituale senken die Hemmschwelle.
  • Ein Lernstart-Check: Notizblock aufmachen, Top-3-Aufgaben für die Session notieren, Timer stellen (z. B. Pomodoro 25/5 oder 50/10). Ich nutze gerne die App „Forest“ für Fokusphasen — sie visualisiert Arbeit und macht Ablenkung teurer.
  • Der Trick ist, die Start-Routine klein und zuverlässig zu halten. Wenn sie zu aufwendig wird, sabotiert sie sich selbst.

    Schritt 2 — Plane mit einem flexiblen Wochenrahmen statt eines starren Stundenplans

    Viele Studierende mit ADHS scheitern an minutiös geplanten Stundenplänen. Ich empfehle stattdessen einen flexiblen Wochenrahmen: feste Blöcke für Kernaktivitäten und Puffer für Unvorhergesehenes.

  • Kernblöcke: Definiere 2–4 Kernzeiten pro Tag, in denen du am produktivsten bist (z. B. 9–11 Uhr, 15–17 Uhr). Diese Blöcke sind deine nicht verhandelbaren Lernfenster.
  • Pufferzonen: Plane tägliche 30–60 Minuten Puffer ein — für Erledigungen, Rückrufe oder um verlorene Zeit wieder aufzuholen.
  • Themen statt Fächer: Statt „Mathe 10–11“ schreibe „tiefes Arbeiten: Problemset 3“. Themenorientierte Planung reduziert Prokrastination, weil du ein konkretes Ergebnis im Blick hast.
  • Ein Beispielrahmen hilft oft mehr als viele kleine Tasks. Ich habe dir unten eine einfache Wochenübersicht als Tabelle vorbereitet, die du als Vorlage nutzen kannst.

    WochentagKernblock 1Kernblock 2Puffer
    Montag9–11 Uhr: Vorlesungsnachbereitung16–18 Uhr: Übungsaufgaben12–13 Uhr
    Dienstag10–12 Uhr: Lesen + Notizen15–17 Uhr: Lernpartner/Tutor13–14 Uhr
    Mittwoch9–11 Uhr: Altklausuren16–18 Uhr: Projektarbeit11–12 Uhr
    Donnerstag10–12 Uhr: Karteikarten17–19 Uhr: Gruppenarbeit14–15 Uhr
    Freitag9–11 Uhr: Wiederholung Woche15–17 Uhr: Offene Fragen klären13–14 Uhr

    Schritt 3 — Resilienz durch kleine Routinen, Pausen und Fehlerfreundlichkeit

    Resilienz entsteht aus wiederkehrenden, kleinen Gewohnheiten, die dich auffangen, wenn etwas schiefgeht. Für mich sind drei Aspekte zentral:

  • Pausen aktiv nutzen: Plane kurze, aber echte Pausen ein. Bewegung, kurzes Lüften, ein Snack. Nach einer längeren Session eine 20–30-minütige Erholung (nicht Bildschirm!) — das verbessert die Konzentration nachhaltig.
  • Fehlerfreundlichkeit: Schreibe dir sichtbar eine Regel auf: „Ein verpatzter Tag = 1 Lernschritt weniger, nicht Null.“ So reduzierst du die Schwarz-Weiß-Denk-Falle, die bei ADHS oft zu Durchhalteproblemen führt.
  • Notfall-Plan: Wenn du komplett blockierst, habe einen Plan B: 10 Minuten „Aufwärmarbeit“ (leichte Aufgabe, z. B. Karteikarten), 25 Minuten fokussiert arbeiten, dann neu bewerten. Oft löst der Start die größte Hemmung.
  • Ich setze mir außerdem kleine Belohnungen, die wirklich wirken: ein Kaffee mit einer Folge einer Lieblingsserie oder 30 Minuten zum Zeichnen — etwas, das Energie gibt, kein „Zusammenbruch“. Das hilft, das Lernen emotional positiv zu verknüpfen.

    Schritt 4 — Unterstützung suchen: Tools, Menschen, Rahmenbedingungen

    Kein System funktioniert isoliert. Ich empfehle bewusst externe Unterstützung:

  • Accountability-Partner: Finde einen Lernfreund oder eine Lerngruppe. Ein kurzer Check-in am Morgen reicht oft: „Heute mache ich X, du Y.“ So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass beide dranbleiben.
  • Digitale Hilfen: Nutze Tools, die dich unterstützen — Notion oder Trello für Übersicht, Anki oder Quizlet für Karteikarten, Pomodoro-Apps (Focus Keeper, Forest) für Zeitmanagement. Wähle nur 1–2 Tools, sonst wird es überladen.
  • Professionelle Begleitung: Wenn ADHS stark beeinträchtigt, ziehe Beratung oder Therapie hinzu. Lerncoaches, Studienberatung oder fachärztliche Unterstützung können Anpassungen, Medikamente oder Prüfungsmodalitäten einleiten.
  • Praktische Anpassungen: Nutze Uni-Angebote wie verlängerte Prüfungszeit, ruhige Räume oder Assistenz, wenn du dafür infrage kommst.
  • Ich habe erlebt, dass Studierende, die ihre Umgebung bewusst gestalten (ruhiger Lernplatz, Kopfhörer mit weißem Rauschen), deutlich besser in den Fluss kommen. Einfache Tools wie Noise-Cancelling-Kopfhörer von Sony oder günstige Ohrstöpsel können Wunder wirken.

    Konkrete Mini-Strategien, die du sofort testen kannst

  • Der 2-Minuten-Start: Wenn du keine Energie hast, versprich dir selbst 2 Minuten Arbeit. Meist werden daraus 20–30 Minuten.
  • Visuelle Fortschrittsanzeigen: Ein Whiteboard mit Tagesziel, das du abhaken kannst. Sichtbarer Fortschritt motiviert mehr als abstrakte Planung.
  • „Wenn-Dann“-Pläne: Beispiel: „Wenn ich abgelenkt bin, dann schließe ich 3 Tabs und gehe 2 Minuten raus.“ Solche Regeln sind simpel und entlasten Entscheidungsenergie.
  • Checkliste für Lernstart: Raum lüften, Wasser, Timer, Ziel notiert, Handy auf Flugmodus oder in anderes Zimmer.
  • Diese vier Schritte — Startritual, flexibler Wochenrahmen, kleine resiliente Gewohnheiten und gezielte Unterstützung — bilden zusammen eine Routine, die Rückschläge abfedert und dich Schritt für Schritt an deine Prüfungen heranführt. Probiere ein Element nach dem anderen und passe es an deine Bedürfnisse an. Kleine, tägliche Erfolge summieren sich schneller, als man denkt.

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