Du sitzt vor der Klausur und der Timer hat gerade angefangen zu ticken. Panik ist fehl am Platz – was du jetzt brauchst, ist eine schnelle, pragmatische Methode, um die Fragen zu sichten, zu ordnen und sofort die passende Lern- oder Bearbeitungsstrategie zu wählen. In den letzten Jahren habe ich diese Routine in Unterricht und Nachhilfe hunderten Studierenden beigebracht. Sie funktioniert, weil sie einfach, visuell und mental entlastend ist. Hier zeige ich dir, wie du Klausurfragen in zwei Minuten kategorisierst und direkt loslegst.
Warum 2 Minuten reichen (und warum das Sortieren so wirkt)
Beim Durchsehen der Klausur geht es nicht darum, jede Frage sofort zu lösen. Es geht darum, ein mentales Landkartenbild der Prüfung zu bekommen: Welche Fragen sind schnell zu holen, welche brauchen Zeit, welche sind Risikoquellen? Diese schnelle Einschätzung reduziert Entscheidungsstress, hilft dir, Prioritäten zu setzen und verhindert das berühmte „an einer Aufgabe hängen bleiben“.
Die 4-Minuten-Routine (wirklich: 2 Minuten Kernschritt)
Ich arbeite mit einer kompakten Routine, die du in maximal 4 Minuten einmal durchläufst — der Kernschritt dauert aber nur ~2 Minuten. So geht’s:
Für die Kategorie-Zuordnung brauchst du keine Details. Ein Blick auf die Aufgabenstellung und die Stichwörter genügt. Nutze einen Textmarker, Bleistift-Kreise oder die Randnotizen in deiner Prüfungsmappe.
Die vier Kategorien (und wie du sie erkennst)
Ich verwende vier einfache Kategorien. Jede hat eine klare Strategie, die du sofort anwenden kannst.
Wenn du die Aufgaben kurz markiert hast, siehst du sofort, ob du viele „S“-Fragen hast, die idealerweise zuerst erledigt werden, oder ob die Prüfung eher inhaltlich anspruchsvoll mit vielen „Z“- und „R“-Aufgaben ist.
Wie du die passende Strategie wählst
Zu jeder Kategorie gehört eine konkrete Strategie. Das ist der praktische Kern der Methode: Du weißt sofort, wie du vorgehst.
Strategie: Keine Ausschweifungen. Schreibe präzise Stichworte, Fakten oder Formeln. Wenn es Rechenaufgaben sind: Gleichung aufschreiben, Ergebnis notieren, Kurzüberprüfung. Zeitbudget: 1–3 Minuten pro Frage.
Strategie: Skizziere kurz die Schritte (z. B. 1. Daten identifizieren, 2. passende Formel oder Methode wählen, 3. Rechnung durchführen, 4. Ergebnis interpretieren). Nutze kleine Diagramme oder Tabellen, um Übersicht zu behalten. Zeitbudget: 5–12 Minuten je nach Umfang.
Strategie: Erstelle eine Mini-Gliederung (These, Begründung, Beispiel, Schlussfolgerung). Schreibe kurze, klare Sätze und nutze Fachbegriffe korrekt. Wenn möglich: pro Argument ein stichpunktartiger Nachweis. Zeitbudget: 8–20 Minuten.
Strategie: Entscheide schnell: „Investiere Zeit“ oder „verschiebe“. Wenn Aufgabe unvertraut aussieht, versuche, Teilaufgaben zu identifizieren, die Punkte bringen (Teilergebnisse). Schreibe Hypothesen auf, wie man die Aufgabe angeht — oft reicht das für Teilpunkte. Wenn zu zeitaufwendig, verschiebe sie ans Ende. Zeitbudget: initial 2–5 Minuten zur Einschätzung, dann je nach Entscheidung.
Praktische Hilfen, die ich empfehle
Diese Tools und Gewohnheiten machen die 2-Minuten-Kategorisierung noch effektiver:
Beispiel aus der Praxis
Ich erinnere mich an eine Klausur in Betriebswirtschaft: 12 Aufgaben, viele Textblöcke. Nach dem Schnelllesen markierte ich 6 S-Fragen, 3 A-Fragen und 3 Z/R-Fragen. Ergebnis: 30 Minuten später hatte ich bereits 60% der Punkte, weil ich die S-Fragen abgehandelt und so Selbstvertrauen aufgebaut hatte. Die verbleibende Zeit nutzte ich gezielt für die Anwendung und eine lange Analysefrage am Schluss. Die Strategie rettete nicht nur Punkte, sondern auch meinen Kopf — ich blieb ruhig.
Tabelle: Kategorien → konkrete Arbeitsschritte
| Kategorie | Erkennungsmerkmale | Kernaction | Zeit |
|---|---|---|---|
| Schnell (S) | Definitionen, direkte Fragen, einfache Rechnungen | Stichworte/Formel anwenden, Ergebnis notieren | 1–3 min |
| Anwendung (A) | Fallbeispiel, Rechenaufgabe mit mehreren Schritten | Kurzplan → Rechnung → Interpretation | 5–12 min |
| Analyse (Z) | Diskussions-/Bewertungsfragen, längere Argumentation | Mini-Gliederung, klare Argumente, Beispiele | 8–20 min |
| Risiko (R) | Unbekannte Aufgaben, lange mehrteilige Probleme | Schnelle Einschätzung → Teilergebnisse sichern oder verschieben | 2–5 min Einschätzung |
Fehler, die ich immer wieder sehe — und wie du sie vermeidest
Ein häufiger Fehler: Studierende bleiben an einer schweren Frage hängen, weil sie nicht kategorisiert haben. Ein anderer: Sie überarbeiten „S“-Fragen zu lange, obwohl die Punkte pro Aufwand nicht stimmen. Vermeide das, indem du deine Markierungen ernst nimmst und dich an die Zeitbudgets hältst. Die Prüfungszeit ist kein Geduldsspiel, sondern ein Ressourcenmanagement-Spiel.
Wenn du diese Routine übst — am besten in echten Klausursimulationen oder alten Prüfungen — wirst du feststellen, dass du nicht nur schneller wirst, sondern auch ruhiger und gezielter arbeitest. Die 2-Minuten-Kategorisierung ist kein Zaubertrick, sondern eine kleine mentale Organisationseinheit, die große Wirkung hat.