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Wie du einen individuellen lernvertrag mit deinem betreuer formulierst und dadurch motivation und verantwortung steigerst

Wie du einen individuellen lernvertrag mit deinem betreuer formulierst und dadurch motivation und verantwortung steigerst

Als Lehrender und Lernbegleiter habe ich oft erlebt, wie viel Klarheit und Antrieb ein individueller Lernvertrag zwischen Lernenden und Betreuer schaffen kann. In vielen Situationen – sei es in der Schule, an der Hochschule oder bei individuellen Förderangeboten – stehen Motivation und Verantwortungsgefühl auf dem Spiel. Ein schriftlich fixierter Vertrag ist kein juristisches Dokument, sondern ein Werkzeug: er macht Erwartungen transparent, strukturiert Fortschritt und schafft Verbindlichkeit, ohne den Druck zu erhöhen.

Was ist ein individueller Lernvertrag und warum er wirkt

Ein Lernvertrag ist eine vereinfachte Vereinbarung zwischen Learner und Betreuer, in der Lernziele, Methoden, Zeitrahmen und Bewertungsformen festgehalten werden. Er wirkt, weil er mehrere psychologische Mechanismen anspricht:

  • Verbindlichkeit: Wer etwas schriftlich vereinbart, nimmt es ernsthafter.
  • Selbstwirksamkeit: Konkrete Ziele ermöglichen sichtbare Erfolge.
  • Transparenz: Erwartungen werden explizit — Missverständnisse sinken.
  • Feedbackschleifen: Regelmäßige Absprachen fördern Reflexion und Anpassung.
  • Wann lohnt sich ein Lernvertrag?

    Ich setze Lernverträge besonders gern ein, wenn:

  • Studierende unsicher sind, wie sie ein größeres Projekt (z. B. Bachelorarbeit) strukturieren sollen.
  • Schüler*innen wiederkehrende Motivationsprobleme haben.
  • Förderbedarf individuell geklärt werden muss (z. B. Prüfungsangst, Zeitmanagement).
  • Teamarbeit organisiert werden soll und Verantwortungsbereiche klar sein müssen.
  • Die wichtigsten Bestandteile eines Lernvertrags

    Ein guter Lernvertrag ist pragmatisch und präzise. Ich empfehle, folgende Elemente aufzunehmen:

  • Konkrete Lernziele: Formuliere SMART (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert).
  • Methoden und Ressourcen: Welche Lernstrategien oder Materialien werden genutzt? (z. B. Karteikarten, Literatur, Lernplattformen wie Moodle oder Anki)
  • Zeitrahmen: Zwischenziele und Deadlines — nicht nur Endtermine.
  • Rollen und Verantwortlichkeiten: Wer tut was? Was übernimmt der Betreuer (Feedback, Material, Sprechstunde)?
  • Messkriterien: Wie wird Fortschritt beurteilt? (Tests, Meilensteine, Selbstreflexionen)
  • Unterstützungsvereinbarungen: Welche Hilfen sind möglich, z. B. zusätzliche Treffen, Lerngruppen?
  • Anpassungsmodalitäten: Wie wird der Vertrag bei Bedarf geändert?
  • Ein einfaches Praxisbeispiel aus meiner Arbeit

    Neulich habe ich mit einer Studentin, die Probleme mit der Zeitplanung ihrer Masterarbeit hatte, einen Lernvertrag erstellt. Wir definierten folgendes Ziel: "Kapitel 1 und 2 bis zum Monatsende in Entwurfsform fertigstellen." Als Methoden vereinbarten wir Wochenpläne mit täglichen Schreibfenstern (je 60–90 Minuten) und wöchentliche Kurzfeedback-Termine (30 Minuten). Messkriterium war ein dokumentierter Fortschritt: jeder Entwurf sollte mindestens 1.500 Wörter enthalten. Diese klare Struktur hat ihr die Angst genommen und ihr Verantwortungsgefühl gestärkt — weil sie wusste, woran gemessen wird.

    Konkrete Formulierungsbeispiele für den Vertrag

    Formulierungen sind wichtig: sie sollten unterstützend, nicht bevormundend klingen. Hier einige Beispiele, die du übernehmen oder anpassen kannst:

  • "Ich (Name Lernender) verpflichte mich, bis zum [Datum] Kapitel X in Entwurfsform vorzulegen (ca. [Anzahl] Wörter)."
  • "Der Betreuer stellt innerhalb von 7 Tagen Feedback in Form von Kommentaren im Dokument und einem 20-minütigen Gespräch zur Verfügung."
  • "Bei Verzögerungen informieren wir uns spätestens 3 Tage nach dem vereinbarten Termin und passen den Zeitplan gemeinsam an."
  • Beispiel-Template (als Tabelle zum Kopieren)

    PunktInhalt (Beispiel)
    ZielKapitel 1 + 2 als Entwurf (je 1.500–2.000 Wörter) bis 30.06.
    MethodenTägliches Schreibfenster 60 Minuten; Literaturrecherche 2x pro Woche; Nutzung von Zotero zur Quellenverwaltung.
    Rollen BetreuerWöchentliches 30-minütiges Feedback; Korrekturlesen der Gliederung; Hinweise zur wissenschaftlichen Argumentation.
    MesskriterienVorlage der Entwürfe; Feedbackrunden; mindestens 2 überarbeitete Versionen pro Kapitel.
    UnterstützungEinrichtung einer Arbeitsgruppe; Zugang zu Beispielarbeitensammlung; Terminflexibilität bei Engpässen.
    AnpassungÄnderungen nur nach gemeinsamer Absprache und schriftlicher Ergänzung des Vertrags.

    Wie du den Vertrag gemeinsam aushandelst

    Der Erfolg hängt davon ab, dass beide Seiten mitreden. So arbeite ich das aus:

  • Zu Beginn bespreche ich offen, was möglich und realistisch ist — das schafft Vertrauen.
  • Ich lasse Lernende Ziele selbst formulieren, gebe aber Feedback zur Konkretisierung.
  • Wir vereinbaren Messkriterien, die nicht nur Arbeitszeit, sondern Ergebnisse messen.
  • Ich frage aktiv nach Hindernissen (z. B. Job, Familie) und notiere realistische Pufferzeiten.
  • Tipps zur Umsetzung im Alltag

    Ein Lernvertrag funktioniert nur, wenn er lebendig bleibt. Aus meiner Erfahrung helfen diese Praktiken:

  • Regelmäßige kurze Check-ins (10–15 Minuten) statt seltener, langer Treffen.
  • Dokumentiere Fortschritt sichtbar (z. B. Google Docs, Trello, Notion) — Sichtbarkeit motiviert.
  • Belohnungen vereinbaren: kleine Meilensteine feiern (Kaffee, Pausen, Anerkennung).
  • Flexibilität beibehalten: Wenn etwas nicht klappt, analysieren und neu planen statt Schuldzuweisungen.
  • Häufige Fragen, die mir gestellt werden

    Im Austausch mit Lernenden und Kolleg*innen tauchen immer ähnliche Fragen auf:

  • "Was, wenn die Motivation trotzdem fehlt?" — Dann reduzieren wir die Aufgabe in noch kleinere, leicht erreichbare Schritte und setzen kurzzeitige Belohnungen.
  • "Muss der Vertrag unterschrieben werden?" — Formal reicht eine digitale Bestätigung, wichtig ist das gemeinsame Einhalten der Vereinbarungen.
  • "Ist das nicht zu kontrollierend?" — Nein, wenn Ziele gemeinsam gewählt werden. Der Vertrag soll helfen, Autonomie und Struktur zu verbinden.
  • Wenn du willst, kann ich dir eine anpassbare Vorlage im .docx- oder .pdf-Format erstellen, die du direkt mit deinen Lernenden verwenden kannst. Schreib mir kurz, welche Zielgruppe du hast (Schüler, Studierende, Projektteam) und ich passe die Vorlage an.

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