Als Lehrender und Lernbegleiter habe ich oft erlebt, wie viel Klarheit und Antrieb ein individueller Lernvertrag zwischen Lernenden und Betreuer schaffen kann. In vielen Situationen – sei es in der Schule, an der Hochschule oder bei individuellen Förderangeboten – stehen Motivation und Verantwortungsgefühl auf dem Spiel. Ein schriftlich fixierter Vertrag ist kein juristisches Dokument, sondern ein Werkzeug: er macht Erwartungen transparent, strukturiert Fortschritt und schafft Verbindlichkeit, ohne den Druck zu erhöhen.
Was ist ein individueller Lernvertrag und warum er wirkt
Ein Lernvertrag ist eine vereinfachte Vereinbarung zwischen Learner und Betreuer, in der Lernziele, Methoden, Zeitrahmen und Bewertungsformen festgehalten werden. Er wirkt, weil er mehrere psychologische Mechanismen anspricht:
Wann lohnt sich ein Lernvertrag?
Ich setze Lernverträge besonders gern ein, wenn:
Die wichtigsten Bestandteile eines Lernvertrags
Ein guter Lernvertrag ist pragmatisch und präzise. Ich empfehle, folgende Elemente aufzunehmen:
Ein einfaches Praxisbeispiel aus meiner Arbeit
Neulich habe ich mit einer Studentin, die Probleme mit der Zeitplanung ihrer Masterarbeit hatte, einen Lernvertrag erstellt. Wir definierten folgendes Ziel: "Kapitel 1 und 2 bis zum Monatsende in Entwurfsform fertigstellen." Als Methoden vereinbarten wir Wochenpläne mit täglichen Schreibfenstern (je 60–90 Minuten) und wöchentliche Kurzfeedback-Termine (30 Minuten). Messkriterium war ein dokumentierter Fortschritt: jeder Entwurf sollte mindestens 1.500 Wörter enthalten. Diese klare Struktur hat ihr die Angst genommen und ihr Verantwortungsgefühl gestärkt — weil sie wusste, woran gemessen wird.
Konkrete Formulierungsbeispiele für den Vertrag
Formulierungen sind wichtig: sie sollten unterstützend, nicht bevormundend klingen. Hier einige Beispiele, die du übernehmen oder anpassen kannst:
Beispiel-Template (als Tabelle zum Kopieren)
| Punkt | Inhalt (Beispiel) |
| Ziel | Kapitel 1 + 2 als Entwurf (je 1.500–2.000 Wörter) bis 30.06. |
| Methoden | Tägliches Schreibfenster 60 Minuten; Literaturrecherche 2x pro Woche; Nutzung von Zotero zur Quellenverwaltung. |
| Rollen Betreuer | Wöchentliches 30-minütiges Feedback; Korrekturlesen der Gliederung; Hinweise zur wissenschaftlichen Argumentation. |
| Messkriterien | Vorlage der Entwürfe; Feedbackrunden; mindestens 2 überarbeitete Versionen pro Kapitel. |
| Unterstützung | Einrichtung einer Arbeitsgruppe; Zugang zu Beispielarbeitensammlung; Terminflexibilität bei Engpässen. |
| Anpassung | Änderungen nur nach gemeinsamer Absprache und schriftlicher Ergänzung des Vertrags. |
Wie du den Vertrag gemeinsam aushandelst
Der Erfolg hängt davon ab, dass beide Seiten mitreden. So arbeite ich das aus:
Tipps zur Umsetzung im Alltag
Ein Lernvertrag funktioniert nur, wenn er lebendig bleibt. Aus meiner Erfahrung helfen diese Praktiken:
Häufige Fragen, die mir gestellt werden
Im Austausch mit Lernenden und Kolleg*innen tauchen immer ähnliche Fragen auf:
Wenn du willst, kann ich dir eine anpassbare Vorlage im .docx- oder .pdf-Format erstellen, die du direkt mit deinen Lernenden verwenden kannst. Schreib mir kurz, welche Zielgruppe du hast (Schüler, Studierende, Projektteam) und ich passe die Vorlage an.